Freitag, 8. September 2017

REZENSION zu Oxen - Das erste Opfer

Buchinfos

Titel: Oxen - Das erste Opfer
Originaltitel: De hængte hunde
Autor: Jens Henrik Jensen
Seitenzahl: 464
Erschienen: 08.09.2017
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26158-6

Preis: 16,90 €

An dieser Stelle erst Mal ein herzliches Dankeschön an den dtv Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Inhalt

Der hochdekorierte aber schwer traumatisierte Ex-Elitesoldat Niels Oxen wird fortwährend von seinen sieben inneren Dämonen heimgesucht, denen er in der Einsamkeit der dänischen Wälder mit seinem Hund Mr. White zu entkommen versucht. Doch diese Zurückgezogenheit währt nicht von Dauer, denn bei einem nächtlichen Besuch des Schlosses Nørlund wird er zum Hauptverdächtigen im Mordfall Hans-Otto Corfitzen. Der ehemalige Botschafter, Gründer eines Thinktanks und Initiator einer Stiftung zur Unterstützung benachteiligter Kinder in Osteuropa wurde zu Tode gefoltert. Er bleibt nicht das einzige Opfer, für dessen Ermordung Niels Oxen nur ein allzu gutes Motiv hat: militärische Vorfälle aus seiner Vergangenheit. Die Schlinge um seinen Hals zieht sich immer enger, der einzige Ausweg aus der verfahrenen Situation ist eine Zusammenarbeit mit der Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck, um den wahren Täter zu finden, wobei alle Spuren zu einem alten, übermächtigen Geheimbund führen.

Erster Satz

"Es sah aus, als hätte der Hund den Hals gereckt, in einem verzweifelten Versuch, den Duft des Lebens ein letztes Mal einzuatmen."

Eigene Meinung

"Oxen - Das erste Opfer" markiert den Auftakt zu einer fulminanten Trilogie um den von den Kriegswirren traumatisierten Elitesoldaten Niels Oxen, die vom Horsens Folkeblad zurecht als "Meilenstein in der dänischen Kriminalliteratur" tituliert wird und von mir vier Eier bekommt. Überrascht wurde ich gleich zu Beginn, denn man springt zwischen unterschiedlichen scheinbar vollkommen zusammenhanglose Erzählperspektiven hin und her, die sich erst im Laufe der Geschichte zu einem Ganzen fügen. So folgt man einem Landstreicher durch die Gassen Kopenhagens - der sich später als Niels Oxen entpuppt - beäugt ein angeblich deutsches Ehepaar mit argwöhnischen Augen, da sie eindeutig etwas nicht ganz Legales planen, oder erlebt hautnah die letzten Atemzüge eines renommierten dänischen Anwalts. Nach kurzer Gewöhnungszeit konnte ich gänzlich in die packende Geschichte eintauchen, die einen ab einem gewissen Punkt dazu zwingt, es nicht mehr aus der Hand zu legen. Erfrischend realistisch gestaltet ist auch die Darstellung des Protagonisten Niels Oxen. Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Jägerkorps ist er nicht der perfekte, unfehlbare Elitesoldat wie man es klischeemäßig erwarten würde, sondern weist Schwächen auf, die ihn ein Stück menschlicher machen. Er selbst merkt, wie sehr er an Form eingebüßt hat, dennoch ist er weiterhin ein Mann mit beeindruckenden Fähigkeiten, was an den Beschreibungen der anderen Charaktere deutlich wird. Axel Mossmann und Margrethe Franck sind nur zwei Namen einer langen Liste von Protagonisten, die unglaublich eindrucksvoll mit ihren Ecken und Kanten beschrieben werden, sodass man sie sich mit Leichtigkeit bildlich vor Augen führen kann. Besonders die toughe Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe, deren Chef der PET Leiter Mossmann ist, hat es mir angetan, da sie Oxen mit ihren herausragenden analytischen Fähigkeiten zur Seite steht und dabei mit einer erstaunlichen Intelligenz brilliert. Mittlerweile scheint eine Romanze in jedem Buch egal ob Krimi, Historischer Roman oder Liebesgeschichte obligatorisch zu sein, deshalb war das Fehlen selbiger hierbei angenehm abwechslungsreich. Anstatt eines actionreichen Finales in dem sich die Ereignisse überschlagen, überrascht dieses Buch mit einem für den Leser leicht unbefriedigenden Ende, da die Mordfälle zwar zu den Akten gelegt werden konnten aber man dennoch nur den Gipfel der Geheimorganisation, die für alle Wirren verantwortlich ist, erahnen kann. Niels Oxens Formulierung "geordneter Rückzug" versinnbildlicht dieses Ende perfekt. Sehr gut hat mir abschließend das knappe Nachwort des Autors gefallen, in welchem er herausstreicht, welche in dem Buch skizzierten historischen Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben und bei welchen es sich lediglich um Fiktion handelt. Dadurch zeigt sich erneut, wie geschickt Jens Henrik Jensen einen bis dato nahezu unbekannten Teil dänischer Geschichte mit einem spannenden Fall verbindet. "Oxen - Das erste Opfer" ist ein spannender Auftakt einer anspruchsvollen Trilogie mit scharf gezeichneten Charakteren, die mit prägnanten Themen wie einer übermächtigen Geheimorganisation sowie Kriegstraumata und deren Bewältigung aufwartet. Absolut empfehlenswert!

Bewertung









1 Kommentar:

  1. Liebe Kathiduck,

    eine wunderbar ausführliche Rezension von dir, die ich nun gern unter der meinen verlinken. Es freut mich, dass dich dieses Buch ebenso überzeugt hat.

    Viele liebe Grüße

    Anja von Nisnis Bücherliebe

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